Data Governance

ein praxisorientierter Ansatz

Startseite / Business Insider News / Data Governance – ein praxisorientierter Ansatz
Veröffentlicht am 04.7.2018

Das Bankgeschäft basiert zunehmend auf datengestützten Modellen und Abläufen. Dies zeigt sich sowohl hinsichtlich der extern ausgerichteten Bankdienstleistung für Kunden als auch in internen Prozessen und Arbeitsweisen innerhalb von Finanzinstituten. Daten werden aus ökonomischer Sicht zur Schlüsselressource. Auch die Bankenaufsicht stellt bestimmte Anforderungen. Data Governance ist somit derzeit eines der zentralen Zukunftsthemen von Banken. Die wesentliche Herausforderung besteht dabei in der Akzeptanz und Umsetzung durch die Mitarbeiter.

Das Kundengeschäft von Banken ist stark im Wandel. Über viele Jahre bildete das persönliche Vertrauensverhältnis zum Berater in der lokalen Filiale das ausschlaggebende Alleinstellungsmerkmal im Wettbewerb. In Zeiten von Chatberatung und Online Services hat sich diese Beziehung zunehmend anonymisiert. Dies hat den Markteintritt von Nearbanks, Nonbanks und Fintechs ermöglicht oder zumindest beschleunigt. Kostenbedingt wird daher nicht nur das Retail-, sondern auch das KMU-Geschäft von Banken zunehmend stark digitalisiert und Schritt für Schritt automatisiert. Das historisch gewachsene Wissen der Marktmitarbeiter wird durch gespeicherte Informationen ersetzt, welche durch Programme und Algorithmen miteinander verbunden sind.
Diese Entwicklung setzt sich notwendigerweise in allen wertschöpfenden Bereichen der Bank fort. Fachabteilungen implementieren Systeme zur effizienteren Durchführung ihrer Kernaufgaben. Oft wird dabei einheitlichen Schnittstellen und Formaten die höchste Priorität eingeräumt. Hierdurch kommt es zu einer inkrementellen Differenzierung in der IT-Architektur. Die entstehende Heterogenität führt langfristig zu einem erheblichen Mehraufwand bei systemübergreifenden Herausforderungen und Themenstellungen.

Aus Sicht der Unternehmensführung sind daher Vorgaben an die Informationstechnologie sowie den Umgang mit der Ressource Daten zu machen. Sie haben die Aufgabe, einen unternehmensweiten Standard festzulegen. Gleichzeitig dürfen Überwachungs- und Kontrollfunktionen den Betrieb nicht lähmen, um Weiterentwicklungen und Innovationen zu ermöglichen. Eine Überregulierung durch Richtlinien und Rahmenwerke gilt es hierbei zu vermeiden. In diesem Spannungsfeld stellt sich die Frage nach dem Format und der Ausgestaltung einer Regelung. Orientierung kann die Business Governance des Unternehmens bieten.

Von der Business Governance zur Data Governance

Die Business Governance ist kein fest definierter Begriff. Vielmehr bezeichnet sie das Gesamtbild aus Instrumenten, welche der Zusammenarbeit im Unternehmen Richtung und Struktur verleihen.
Die Richtung ergibt sich aus den Zielen des Unternehmens. Dabei ist die betriebswirtschaftliche Gewinnmaximierung mittels einer gewählten Strategie auf operative Teilziele herunterzubrechen. Da Vorhaben stets temporär sind, ist dementsprechend die Unternehmensstruktur flexibel anpassbar zu gestalten. Die Struktur bildet den Rahmen, innerhalb welchem sich die Fähigkeiten der Bank entfalten können. Artefakte wie die Unternehmensvision, das Leitbild und das Organigramm verleihen der Organisation ein gemeinsames Verständnis.
An dieses Konstrukt knüpft die Data Governance an. Ihr Zweck ist demnach, der Organisation und den Mitarbeitern ein gemeinsames Verständnis im Umgang mit Daten zu ermöglichen.

Somit lässt sich eine mögliche Definition ableiten:

Die Data Governance ist die spezifische Anwendung der Business Governance auf die Ressource Daten. Sie dient der effektiven Ausrichtung der IT-Architektur und der Prozesse, der effizienten Nutzung von Daten und der Vermeidung von zukünftigen „sunk costs“.

Bestehen Konzernstrukturen, so ist eine gesellschaftsübergreifende Data Governance zu prüfen.

Data Governance als Schnittstelle regulatorischer Anforderungen

Gleichzeitig zu diesem betriebswirtschaftlichen Erfordernis der Data Governance tritt auch die Bankenregulatorik auf den Plan.
So beschreibt der erste Grundsatz aus BCBS 239 die Anforderung der Etablierung einer Governance für Risikodaten(-aggregation) und die Berichterstattung. In den nachfolgenden Textziffern des Papiers wird unter anderem die Verantwortung direkt dem obersten Verwaltungsorgan zugewiesen. Mittlerweile ist branchenweit kommuniziert, dass dieser Standard auch für andere Datenbereiche erwartet wird
Die BAIT fokussiert sich auf die IT-Architektur und deren Ausgestaltung. Diese dient als Infrastruktur für das Datenmanagement der Bank. Die IT-Governance und Data Governance sind somit eng miteinander verbunden.
Auch die Vorschriften der DSGVO zahlen auf die Aspekte Datenverantwortung, -vertraulichkeit und -sicherheit ein. Weitere derzeit zu berücksichtigende regulatorische Schriften mit Bezug zur Data Governance sind beispielsweise AnaCredit und MIFID II.
Die Aufsicht sieht somit eine Data Governance als Voraussetzung für die Sicherstellung der Funktionsfähigkeit der erfolgreichen Leitung und Steuerung einer Bank. Deren nachhaltige Implementierung erfüllt mehrere regulatorische Vorschriften. Je mehr Aufmerksamkeit und Bedeutung ihr zugemessen wird, desto umfassender sind diese Verbundeffekte. Auch für die zukünftige Entwicklung der Auflagen sind der Ausbau sowie die Spezifizierung der Data Governance zu erwarten.

Erfolgsfaktoren bei der Entwicklung und Implementierung

Banken und Finanzdienstleister stehen nun vor der Herausforderung, ein neues Rahmenwerk zu entwickeln, erfolgreich einzuführen und resultierende Maßnahmen umzusetzen. Eine Musterlösung gibt es dabei nicht. Die Data Governance ist an die Ist-Situation sowie die individuellen Ziele der Bank anzupassen. Wie beschrieben, kann dabei auf existierende Elemente der Business Governance aufgebaut werden. Aufgrund der zentralen Bedeutung der Data Governance ist intensives Stakeholder Management insbesondere in Richtung des Personals erforderlich. Erfahrungen haben gezeigt, dass Führungskräfte und Mitarbeiter bereits in die Entstehungsprozesse miteinbezogen werden sollten, um ein ausreichendes Verständnis und Akzeptanz zu entwickeln. Insbesondere die Sprache ist dabei an die Mitar-beiter und die Unternehmenskultur anzupassen. Das Eindeutschen und Abkürzen von englischen Begriffen kann im Fall von DMO (Data Management Organisation) und DDAs (Data Delievery Agreement) für Verwirrung und Ablehnung sorgen.
Dem wirkt das „Botschafter-Modell“ entgegen: Dabei werden aus allen zentralen Abteilungen ausgewählte Personen in Arbeitskreise und Komitees eingeladen. Der Informationsfluss ist effizienter und die Mitarbeiter der Bank haben einen vertrauten Ansprechpartner für ihre Fragen und Anregungen. Potenziellen Missverständnissen und Befangenheit kann direkt entgegengewirkt werden. Auf diese Weise werden Von-der-Data-Governance-Betroffene zu An-der-Data-Governance-Beteiligten.

Im Anschluss an den strategischen Aufsatz erfolgen der Transfer und die Anwendung auf spezifische Themenfelder. So sind Rollen und Verantwortlichkeiten zu definieren, Datentypen und -bereiche abzugrenzen sowie operative Themenfelder wie beispielsweise die Datenqualität zu bearbeiten.
Als Spezialisten mit langjähriger Erfahrung als Banker, Berater und IT-Spezialisten unterstützen wir unsere Kunden proaktiv mit individuellen Ansätzen und greifen dabei auf internationale Best Practices zurück. Gern setzen wir uns mit Ihnen zusammen und prüfen unverbindlich ein praktisches Vorgehen. Lassen Sie uns die Möglichkeit einer Zusammenarbeit gemeinsam besprechen und freuen Sie sich auf unsere Ideen.

Corinna Reibchen

CEO | passcon GmbH

Mobil +49 152 04280986
Corinna.Reibchen@passcon.de

Benjamin Schmidt

Senior Consultant | passcon GmbH

Mobil +49 174 3176191
Benjamin.Schmidt@passcon.de

Diese Seite verwendet Cookies. Mit der Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies und den Datenschutzbestimmungen zu.

Abbonieren Sieunsere Business-Insider-News,um den Artikel "AFC-STUDY" als PDF herunterzuladen

Abbonieren Sie
unsere Business-Insider-News,
um den Artikel "AFC-STUDY" als PDF herunterzuladen

You have Successfully Subscribed!

/***Linkedin Insight-Tag eingefügt am 12.12.2018 v. Hoffrichter i.A v. Biablas***/